Hier ist ein Blick auf das Zimmer, in dem ich übernachtet habe:

Für ein Hostel eigentlich ziemlich schön. Und wirklich geräumig.

Neuer Tag. Neuer Versuch.

Kleiner Rucksack. Einreisegenehmigung.

Uuund ... von Sobijid bekam ich noch einen weiteren Hinweis zum Dalai Lama. Der ist nämlich gerade tatsächlich hier. In Ladakh.

Warum?

Weil ihm Dharamshala offenbar zu regnerisch ist. Normalerweise lebt er dort, ein paar hundert Kilometer von hier entfernt. Aber während der Monsunzeit kommt er in manchen Jahren nach Ladakh.

So wie dieses Jahr.

Zufall?

Wer weiß.

Aber ihr werdet noch sehen: Den Dalai Lama einfach so zu treffen, ist nicht gaaaanz so leicht.

Und irgendwie war es bereichernd herauszufinden, wie man überhaupt vorgehen muss.

Sobijid ist der Manager des Hostels. Cooler Typ. Und er kennt die Region gut genug, dass ich zumindest ein gewisses Vertrauen in das habe, was er sagt.

Als ich ihn nach dem Dalai Lama fragte, meinte er:

„Ja, du kannst da einfach hingehen und ihn treffen oder einen Termin bekommen.“

Wie heißt der Ort?

„Choglamsar.“

Was?

Chocolatsunset?

Nein.

„Choglamsar.“

Was?

Tschoklamma?

„Noo, bro. Choglamsar.“

Ach Bro, egal.

Ich frage einfach irgendwelche Leute nach dem Dalai Lama.

Das wird schon jeder kennen.

Und so landete „Chocolatsunset“ auf meiner To-do-Liste für den Tag.

Diesmal war ich unterwegs wie eine Rakete.

Frühstück hier. Noch einen Tandoori-Snack dort.

Dann folgte ich noch Loldens Empfehlung und schaute mir das örtliche Museum an. Aber das hatte Zeit. Ich wollte nur kurz sehen, ob es irgendetwas gab, das mich sofort reinziehen würde.

Nope. Also wieder raus.

Danach zum Tourist Office wegen der Genehmigung.

Das ging allerdings so langsam, dass ich es einfach sein ließ.

Und stattdessen nach einem Bus nach Chocolatsunset suchte.

Die Leute verstanden mich nicht.

Keine Überraschung.

Ein älterer Mann erkannte irgendwann, was ich meinte.

„Oh, du meinst Choglamsar?“

„Ja, genau!

Shockantsla!“

„Oh, aber Dalai Lama nicht einfach dort. Du brauchst online. Dauert lange.“

Ich dachte mir nur:

Ach, egal.

Ich vertraue Sobijid. Ich fahre trotzdem hin.

Wie komme ich hin? „Mit dem Bus. Alle fünf Minuten.“ Perfekt.

Ich fand einen Bus nach Shogglingtramline.

Quetschte mich rein. Stieg zehn Minuten später an der Endstation aus. Und fand das Areal.

Aber dort war niemand.

Ich schaute mich um und fand einen Soldaten.

Der zeigte sehr freundlich weg von mir.

„No entry.“

Ich glaubte seinem automatischen Maschinengewehr.

Ich sagte:

„Dalai Lama.“

Er sagte:

„There.“

Großartig.

Da.

Was ungefähr so präzise war wie:

hier.

Also suchte ich weiter.

Fragte.

Lief.

Und irgendwann fand ich so etwas wie ein Haupttor.

Aber es war abgeschlossen.

Niemand da.

Genau in diesem Moment kam ein Mann im Anzug heraus.

Ich fragte:

„Office? Appointment with Dalai Lama?“

„No office. E-Mail.“

Das war dieselbe Information, die ich bereits von der Ladakh Buddhist Association bekommen hatte.

Passt.

Schön.

„Thanks. Now nothing?“

„Now, not possible.“

Okay.

Also war ich im Grunde völlig umsonst nach Tschuchingframa gefahren.

Wenigstens wollte ich ein bisschen schreiben.

Also suchte ich nach einem netten Café.

Und fand das hier:

Wunderschön.

Nur leider gar kein Café. Sondern tatsächlich ein Hotel. Ein richtiges. Eines, in dem man schläft.

Keines, in dem man sich mit dem Laptop hinchillt und arbeitet. Das sah ich in dem Blick der Besitzerin.

Ging wieder.

Und suchte etwas anderes.

Diesmal fand ich eins. Ich schrieb. Trank Buttertee. Aß Chapati.

Wunderbar.

Bereitete ein paar Blogposts vor. Dann musste ich aufs Klo.

Und weil sie meine Geräusche offenbar nicht hören wollten, drehten sie draußen einfach die Musik lauter.

Und maaaann ...

was für ein Song.

„Headlights“ von Alok & Alan Walker.

Ich mochte das Lied so sehr, dass ich fast noch länger auf der Toilette geblieben wäre.

Ich lud es sofort herunter, ging wieder zur Hauptstraße und wollte zurück nach Leh.

Ich versuchte, einen Bus anzuhalten.

Aber seltsamerweise fuhr einer nach dem anderen einfach an mir vorbei.

Ich dachte:

„Bro?!

Was mache ich falsch?“

Weil die Busse alle schon unterwegs waren, dachte ich irgendwann, dass sie vielleicht einfach voll wären.

Also machte ich meinen neuen Song an und lief zurück in Richtung Dalai-Lama-Komplex.

Dort war die erste Bushaltestelle Richtung Leh.

Da würde ich ganz sicher einen bekommen.

Als ich dort ankam, bemerkte ich allerdings etwas Seltsames.

Im Gelände des Dalai Lama waren plötzlich Menschen.

Viele.

Und sie liefen.

In diesem Moment wusste ich, warum kein Bus für mich angehalten hatte.

Ich sollte zurückkommen.

Um an diesem Rundgang teilzunehmen.

Was auch immer das genau war.

Mit meinem riesigen Rucksack schloss ich mich einfach an.

Nach der ersten Runde dachte ich:

„Okay ... was ist jetzt der Sinn? Wann kommt er denn raus?“

Ich war außerdem etwas verwirrt, weil manche Leute im Gras lagen und nicht auf das große, glänzende Gebäude schauten, sondern in Richtung eines Bereichs im Wald.

Was übersehe ich hier?

Eine Runde dauerte ungefähr 20 Minuten.

Nach der ersten dachte ich:

Okay.

Will ich ihn treffen oder nicht?

Und ich lief weiter.

Aber weiterhin passierte ...

nichts.

Nur die Menschen wurden immer weniger.

Bis ich meine vierte Runde beendet hatte.

Es wurde dunkel.

Die Tore schlossen.

Am Ausgang wartete eine Familie.

Auf mich.

Sie wollten wissen, woher ich komme und wie viele Runden ich gelaufen war.

Und dort lernte ich dann:

Das war ein Gebetsrundgang um die Residenz des Dalai Lama.

Sofort musste ich an die Gebetsmühlen denken, die man im Uhrzeigersinn dreht. Im Grunde dasselbe Prinzip. Nur dass diesmal nicht die Gebetsmühle rotierte. Sondern wir.

Und damit schützten und stärkten wir Seine Heiligkeit.

Schöne Sache.

Wie auch immer.

Ich erzählte Wangtak von meinen Plänen.

Und er erklärte mir alles.

E-Mail schicken. Um Segen bitten. Schreiben, wie lange man schon darauf wartet. Warum man es möchte.

Perfekt.

Am Ende bekam ich also genau die Informationen, wegen denen ich gekommen war.

Vielleicht war das Ganze auch eine Art Test.

Oder sagen wir:

Meine Entschlossenheit wurde getestet.

Will ich das wirklich?

Denn mit einem schweren Rucksack vier Runden auf Asphalt zu laufen, ist vielleicht nicht für jeden suuuper unterhaltsam.

Für mich allerdings schon.

Es war gleichzeitig eine erste Übung für meine kommenden Wanderungen. Und irgendwann merkte ich, dass ich mit jedem Schritt auch immer weiter nach innen lief. Es war tatsächlich eine Meditation geworden.

Dann fragte Wangtak:

„Wo musst du hin?“

„Nach Leh.“

„Du hast ein Fahrzeug?“

„Nope.“

„Komm. Ich fahre dich.“

Ich:

„Awesome.“

Er:

„Glaubst du an Karma?“

„Klar.“

„Deshalb passiert das heute. Es ist mir eine Ehre, dich kennenzulernen.“

„Oh Mann, gleichfalls. Danke, dass du mich mitnimmst!“

Und das war noch nicht alles.

Sein Bruder ist Mönch in Zanskar.

Im Tal für die Mutigen. Und zwar in einem der Klöster, die ich sowieso besuchen wollte.

Er gab mir seinen Namen und versicherte mir, dass ich ihn unbedingt anrufen sollte, bevor ich dorthin fahre.

Dann würde er alles organisieren.

Noch besser.

Und wisst ihr was?

Er brachte mich gar nicht zum Hostel.

Das lag nämlich auf der gegenüberliegenden Seite von Leh.

Er setzte mich stattdessen dort ab, wo er selbst hinmusste.

Und genau das war perfekt.

Warum?

Weil es direkt bei meinem ersten Hostel war.

Und warum war das gut?

Weil ich dort mein Handtuch vergessen hatte und sowieso irgendwann zurück musste, um es zu holen.

Also tat ich genau das.

Dann verschwendete ich noch etwas Geld für Süßigkeiten, die offenbar in altem Öl gemacht worden waren und mich beim ersten Bissen fast zum Erbrechen brachten.

Danach nahm ich noch einen Bus zum Main Market.

Und lief von dort nach Hause.

Es war ein wirklich cooler Tag.

Unterwegs entdeckte ich noch ein paar Orte, die ich mir später anschauen wollte.

Zum Beispiel diesen kleinen Essensstand direkt an der Straße, an dem tibetisches Essen verkauft wurde:

Und dann noch diese Schönheit hier.

Aber ich wollte einfach nur noch nach Hause.

Es war spät.

Also ging ich zurück ins Hostel.

Dort gab es Essen.

Und das war übrigens mehr als großartig.

Rohit, mein Freund und gleichzeitig Chefkoch, rockte Gobi Manchurian, Reis und Chapati.

Das war's.

Ich kam nach Hause.

Entschied mich für ein Sechsbettzimmer.

Es war tatsächlich komplett frei.

Ich war der Einzige.

Und gerade dabei, mich für die Dusche auszuziehen ...

als sich die Tür öffnete.

Und wieder dasselbe Mädchen hereinkam.

Ich dachte:

„Verrückt.

Dieses Mädchen verfolgt mich.“

Aber eigentlich war es genau andersherum.

In der Nacht zuvor war es ihr mit all den Jungs im Zimmer zu laut gewesen.

Sie konnte überhaupt nicht schlafen.

Also hatte sie mitten in der Nacht nach einem anderen Zimmer gefragt und war hierher verlegt worden. Technisch gesehen war also ich derjenige, der ihr gefolgt war.

Wie auch immer.

Keine weiteren Details nötig.

Ich schlief.

Ohne Einreisegenehmigung.

Ohne Rucksack.

Aber mit dem Wissen, wie ich um ein Treffen mit dem Dalai Lama bitten kann.

Licht und Liebe, Felix

Felix Ast
Felix Ast
Autor · Sprecher · Innovator
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