Heute sollte endlich der Tag für einen kleinen Rucksack werden.

Und für die Genehmigung.

Außerdem freute ich mich auf einen entspannten Tag mit etwas Zeit zum Schreiben und für die Webpage. Ich hing inzwischen ungefähr fünf Tage hinterher.

Langsam wurde mir klar, dass hier einfach zu viel passiert.

Und wenn das nicht so wäre, wäre ich wahrscheinlich auch nicht glücklich.

Also suchte ich nach einem netten Café und machte mich auf den Weg in die Stadt.

Wie eine Rakete.

Zielsuchend.

Ich wusste genau, wohin ich wollte.

Zuerst zum Tourist Office.

Diesmal kam ich mit genügend Zeit.

Und tatsächlich:

Meine Genehmigung wurde bearbeitet.

Dann fiel mir ein asiatisch Mann auf.

Er wirkte nicht so, als fühle er sich besonders wohl. Unsicher. Als wüsste er nicht so recht, was er tun sollte.

„Bist du wegen der Genehmigung hier?“

Er nickte.

Sein Englisch war nicht besonders gut.

Hindi sprach er gar nicht.

Er kam aus Japan. Wirklich ein richtig netter Typ. Aber Japanisch half ihm hier natürlich herzlich wenig.

Und irgendwie hatte ich sofort das Gefühl:

Er ist hier ein bisschen verloren. Vielleicht braucht er Hilfe.

Also regelte ich die Sache mit der Genehmigung für ihn mit.

Als das erledigt war, fühlte ich mit ihm. Trotzdem wirkte es so, als hätte er zumindest irgendeinen Plan. Genug jedenfalls, dass ich meine eigene Mission wieder aufnehmen konnte.

Ich sagte:

„Okay Bro, schön dich kennenzulernen. Ich arbeite jetzt. Brauchst du noch irgendetwas? Noch Hilfe bei irgendwas?“

Und seine Antwort zeigte mir erst, wie. viel. Hilfe. er tatsächlich brauchte.

Er war Japaner.

Seine höchste Priorität war ganz traditionell, niemandem zur Last zu fallen.

Aber seine Situation ließ ihm kaum eine andere Wahl.

Das Leben funktioniert hier einfach anders als im geordneten Japan.

Hier ist Chaos.

Alles ist anders.

Also sagte er ...

„Ja.“

Und damit begann ein ziemlich unerwarteter Versuch, ihm zu helfen.

Ich musste sofort an meine eigene erste Zeit in Indien denken.

Damals konnte ich nicht einmal alleine eine Straße überqueren.

Also konnte ich sehr gut nachvollziehen, wie er sich fühlte.

Und irgendwann gewann mein Wunsch zu helfen gegen meinen Wunsch zu arbeiten.

Darf ich vorstellen:

Jun!

Er brauchte Geld.

Eine SIM-Karte.

Eine Agentur.

Den Busbahnhof.

Und Essen.

Eigentlich brauchte er alles.

Und er wusste, dass ich eigentlich arbeiten wollte.

Das muss ihm unglaublich unangenehm gewesen sein.

Zum Glück konnten wir es so organisieren, dass sich unsere beiden To-do-Listen ziemlich gut miteinander verbinden ließen.

Ich musste sowieso zum Busbahnhof.

Und die Märkte auf dem Weg dorthin waren gleichzeitig perfekt, um meinen Rucksack zu kaufen.

Essen brauchte ich ebenfalls.

Also gab es erstaunlich viele Überschneidungen.

Dass das Ganze am Ende sechs oder sieben Stunden dauern würde, hatte ich allerdings nicht erwartet.

Vielleicht war auch das wieder eine kleine Prüfung.

Halte ich mich wirklich an das, was ich sage?

Anderen dienen?

Einen klaren Höhepunkt gab es jedenfalls.

Wir gingen in das authentische Restaurant.

Und ich musste auf die Toilette.

Sie ließen mich ungefähr fünf Minuten warten.

Dann durfte ich hinein.

Und ich will mir wirklich nicht vorstellen, wie es fünf Minuten vorher dort ausgesehen hatte.

Denn sie hatten offensichtlich gerade noch versucht, sauberzumachen.

Gott sei Dank musste ich nur das kleine Geschäft erledigen.

Aber angenehm war es trotzdem nicht.

Der Geruch.

Uagh.

Ich kam zurück.

Mit meinem Wissen darüber, wie sauber Japan normalerweise ist.

Und mit dem Wissen, was für ein Kontrast das hier sein musste.

Also sagte ich zu Jun:

„Das war ... schlimm. Ich hoffe wirklich, du musst nicht auf die Toilette.“

Wir aßen.

Und dann ...

fragte er nach dem Waschraum.

Mein inneres Wesen schrie.

Tu es nicht!

Ich schlug vor:

„Vielleicht suchen wir lieber irgendwo einen anderen Ort?“

Aber offenbar konnte er nicht mehr warten. Oder war einfach neugierig!

Also zeigte ich ihm, wo die Toilette war.

Er ging hinein.

Zwei Sekunden später kam er wieder heraus.

Nope. Nicht hier.

Er sah mir direkt in die Augen.

Und der pure Ekel stand ihm ins Gesicht geschrieben. So wie es in ein asiatisches Gesicht geschrieben stehen kann.

Sobald wir draußen waren, mussten wir beide so laut lachen, wie wir konnten.

Denn das war absolut nicht das, was er erwartet hatte.

Und nach meiner Zeit in Japan konnte ich ihn wirklich verstehen.

Danach erkundeten wir Leh noch ein bisschen weiter.

Irgendwann nahmen wir ein Taxi.

Wir mussten beide ungefähr in dieselbe Richtung.

Ich stieg etwas früher aus und stellte noch sicher, dass der Fahrer Jun wirklich an seinem Ziel absetzen würde.

Dann machte ich mich zu Fuß auf den Heimweg.

Später am Abend bekam ich eine Nachricht von Jun.

Und eigentlich sagt die alles:

„today was so good memories of trip. and thanks for your help.
if you go to japan let me know before you come. I will around show you!“

Gern geschehen!

Und das Beste:

Ich hatte inzwischen alles, was ich brauchte.

Ich war bereit für meine erste Tour außerhalb von Leh.

Und die begann am nächsten Tag:

Der Sham Valley Trek.

Felix Ast
Felix Ast
Autor · Sprecher · Innovator
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