Endlich geht es weiter. Denn ich ging weiter.
Besser hätte ich die Zeit gar nicht nutzen können meiner Meinung nach. Heute ist der letzte Tag in Kerala.
Das Tor ist offen.

Was ich nicht erwähnt hatte gestern: Hari und ich mussten spätabends noch üben.
Was genau?
Namen.
Welche?
Die von Lakshmis Verwandten.
Warum?
Weil wir als Puthankattils (Familienname von Hari) heute zum offiziellen Besuch bei Lakshmi eingeladen sind. Bei diesem Treffen geht es darum, dass sich Männlein und Weiblein das erste mal treffen und die Familie dann später ein ja oder nein abgibt. Normalerweise kommt es zu mehreren solchen Treffen und dann wird entschieden.
Und da Hari sich mit Namen etwas schwer tut, wollte er die Namen lernen. Das ist wieder so ein besonderer Anlass, den man normalerweise nicht zu sehen bekommt. Ich fands poetisch. Potentiell der offizielle Beginn einer gemeinsamen Geschichte, auf der einen Seite mein letzter Tag in diesem grünen Tropenwunder.
Für mich war das eine extreme Ehre. Für Hari eine Erleichterung.
Überraschend war, dass wir dieses Mal wirklich sogar pünktlich ankamen.
Vorher kauften wir noch Geschenke ein, einen Haufen an Obst, Süßigkeiten und Chips.
Hari war sichtlich nervös und als er das Haus betritt wurde ihm auch gleich ein Platz zugeteilt. Zwischen zwei Onkeln. Alleine. An der anderen Seite der Wand, gegenüber von uns.
Wir blickten uns an und wir waren uns einig, dass das nun ganz übel ausgehen könnte.
Aber dem war nicht so. Denn auch wenn Hari und Lakshmi eigentlich im Mittelpunkt stehen sollten, fand mich Lakshmis Familie anscheinend interessanter. Mir wars ein wenig unangenehm, dass ein Tantchen nach der anderen um ein Bild mit mir gebeten hatte und die Männer unbedingt mit mir etwas bereden wollten. Nicht weil ich nichts verstand, und ich verstand wirklich nicht viel, sondern weil es nicht um mich ging hier.
Das tat der Freude von Lakshmis Familie aber keinen Abbruch. Sie winkten uns zum Esstisch, der mit allerlei hausgemachten Leckereien dekoriert war. In Bananenblättern gedämpfte Kokosnussspeißen, Bananen, halwaähnliche Variationen, Hackfleischbällchen, und und und. Von dem wir alle alles probieren mussten. Alles. Da will noch jemand mal behaupten essen kann nicht anstrengend sein. Und wehe man findet etwas nicht gut! Jedes weibliche Familienmitglied im noch so entferntesten Verwandschaftsgrad hat eine Speiße zubereitet. Wieso auch immer, aber es kam mehrmals die tückische Frage auf "was ich denn am besten finde". Mit weit aufgerissenen, hoffnungsvollen Augen. Gut, dass man für alles positive Adjektive finden kann.
Die Momente am Esstisch waren auch die Zeit, in der Hari Fragen ein paar gestellt wurden. Alles halb so wild. Es blieb ziemlich entspannt meiner Meinung nach. Solange, bis Achan aufstand und Hari lautstark zu sich rief.
Die Luft im Raum wurde schwer. Der Atem aller Anwesenden stockte. Die Lautstärke war für ne kurze Zeit stummgeschaltet.
Solange bis Achan verkündete:
Wir sind verpflichtet offiziell zu sprechen.
Von unserer Seite wird die Braut akzeptiert. Haben die Anwesenden Einwände gegen Hari als Bräutigam?
Es schien nichts zu kommen. Die Sache war damit gebongt.
Hari und Lakshmi würden tatsächlich bald eine Hochzeit feiern. Und diese Frage blieb noch zu klären.
Achan schlug nach Absprache mit Hari Juli oder August 2027 vor. Auch hiergegen gab es keine Einwände.
Und so war der offizielle Teil erledigt. Und eigentlich auch die ganze Zusammenkunft.

Alle waren super happy im Auto auf der Rückfahrt, auf der Kerala auch nochmal gezeigt hat wie schön es einmal überall war bis Bäume Straßen und Gebäuden weichen mussten:

Im Auto beschrieb Hari die Situation bei Lakshmis Familie folgendermaßen:
"Hätten sie noch eine Tochter gehabt, hätten sie sie dir freiweg angeboten Felix... Und die Hochzeit wäre wahrscheinlich noch vor meiner."
Für Hari wars nicht nur lustig, sondern vor allem aber ein Segen. Es war deshalb eine Erleichterung, weil er nicht im Mittelpunkt stehen will und mit Fragen gelöchert werden wollte. Dadurch, dass ich da war kamen ganz andere Themen auf.
Wir machten noch kurz Halt bei Achan's Eisfabrik, welche das Eis produziert das dafür sorgt, dass die Fischhändler ihren Fisch länger haltbar anbieten können.

Ich wollte dort noch hin, um den fleißigen Arbeitern, die dafür sorgen, dass Jayu und Hari nach Deutschland kommen konnten, ein kleines Geschenk zu schenken. Es wurde jeweils ein Stück Mango-Sahnekuchen.
Zuhause nachdem ich gepackt hatte durfte ich noch etwas lustiges machen:
Zu lernen, wie man Scooter fährt. Sodass ich im Falle des Falles vorbereitet bin in Ladakh.
Ich war aber so fertig, konnte kaum denken, geschweige denn stehen.
Die Basics hab ich gelernt. Nach ner guten Stunde Fahrtraining im Hof war ich aber zu müde.
Und ging ins Bett. Schließlich mussten wir um 03:00 morgens aufstehen, um pünktlich bei Prabhu anzukommen.
Und mir fällt jetzt erst auf, dass ich kein einziges Mal Pazham Pori aß. Eigentlich unakzeptabel.
Denn die Dinger machen einen abhängig. Pazham Pori sind in Teig gehüllte fritierte Banenhälften.
Sodass die äußere Schale knusprig ist, das inner aber weich.
Besonders mit Chai fast unwiderstehlich.
Wie dem auch sei. Das grüne Kapitel Kerala war damit fast abgeschlossen.
Bis zum nächsten Artikel.